20
Jun

Patienten haben keine Zeit zu verlieren

Auf der Hauptversammlung des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), an der als Gast auch admedicum Business for Patients teilnahm, wurden neue Entwicklungen in der Onkologie und deren Patientenrelevanz diskutiert. Hier der Kommentar von Andreas Reimann.

Prof.Dr. Bernhard Wörmann, medizinischer Leiter der Dt.Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, zeigte in einem umfassenden Vortrag auf, wie schnell sich das Angebot von Arzneimitteln in der Onkologie in den vergangenen fünf Jahren erweitert hat. Die Mehrzahl der Präparate sind jedoch für den Einsatz in einem fortgeschrittenen Stadium der jeweiligen Krebserkrankung zugelassen. Frühe pharmakotherpeutische Interventionen in einem Stadium, in dem noch eine völlige Heilung möglich ist, sind dagegen noch begrenzt. Während bei einigen Tumoren, z.B. dem malignen Melanom oder dem Lungenkarzinom enorme Fortschritte erzielt werden konnten, warten Patienten mit anderen Tumorarten (z.B. bestimmten Hirntumoren, Pankreaskarzinomen) noch auf wirkliche Durchbrüche in der Therapie. 

Individuelle Therapieziele des Patienten sind entscheidend

Patienten haben unterschiedliche Therapieziele: Während für den einen ein auch nur etwas verlängertes Überleben wichtig sein kann, um noch wesentliche Dinge seines Lebens zu Ende zu führen, kann für den anderen eher eine möglichst symptomarme Zeit mit hoher Lebensqualität im Vordergrund stehen. Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung gem § 35a SGB V vergleicht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf sehr begrenzter Datenlage zum Zulassungszeitpunkt den relativen Zusatznutzen zu einer zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT). Was ist jedoch in folgendem Fall? Bei einem neuen immunonkologischen Arzneimittel wird als zVT eine herkömmliche Chemotherapie festgelegt. Aufgrund der Datenlage wird ein beträchtlicher Zusatznutzen festgestellt. Ein kurz danach zugelassenes, ebenfalls neues, Immunonkologikum dagegen muss sich bereits gegen das gerade zuvor bewertete Arzneimittel vergleichen lassen. Nicht überraschend wird dann ein fehlender Zusatznutzen festgestellt. Beide neuen Arzneimittel können aber sehr wohl beim individuellen Patienten unterschiedlich wirksam und auch aufgrund der beim Patienten beobachteten Nebenwirkungen   auch unterschiedlich geeignet sein.

Patienten haben keine Zeit zu verlieren

Es ist nachvollziehbar, dass die Akteure des Gesundheitssystems auf Systemebene darauf achten wollen, möglichst hochpreisige neue Arzneimittel nur dann in die breite Versorgung zu bringen, wenn stabile patientenrelevante Daten hinsichtlich einer Verlängerung des Lebens, einer Verringerung der Krankheitslast oder einer Verbesserung der Lebensqualität vorliegen. Das Problem ist jedoch, dass diese oft erst mehrere Jahre nach Zulassung des Arzneimittels vorliegen. Patienten können solange nicht warten, sie haben diese Zeit einfach nicht. Deshalb ist es so wichtig, dass Surrogatparameter in klinischen Studien möglichst aussagekräftig sind und gleichzeitig auf der individuellen Ebene die beobachteten Wirkungen und Nebenwirkungen zwischen Arzt und Patient zu einer verantworteten Entscheidung zum Einsatz eines neuen Arzneimittels herangezogen werden. Das genau ist dann nämlich auch die Anwendung des Prinzips der evidenzbasierten Medizin, nämlich die Integration von kollektiver und individueller Evidenz.

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13
Mär

Crowdfunding-Kampagne trackle gestartet!

Die Crowdfunding-Kampagne unsers Partners trackle ist gestartet!

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13
Mär

Kongress Armut und Gesundheit

admedicum® besucht den 22. Kongress Armut und Gesundheit an der TU Berlin, am 16. und 17. März 2017.

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13
Jun

Ergebnisse der Umfrage zum Innovationsfonds

Umfrage bei den Mitgliedsorganisationen von BAG Selbsthilfe e.V. und der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e.V.: Was erwarten Patientenorganisationen vom Innovationsfonds?

Hier finden Sie die Ergebnisse unserer Umfrage.

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